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Wiener Akademie des Exils

Eine Veranstaltungsreihe der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) und der Wiener Vorlesungen in Zusammenarbeit mit dem Arnold Schönberg Center

Koordination: Konstantin Kaiser / Sandra Wiesinger–Stock

Aufgrund ihrer Weltanschauung oder ihrer jüdischen Herkunft wurden sie unter dem Nationalsozialismus aus Österreich vertrieben: Kritische Geister, deren Kultur andernorts ihren Niederschlag fand. Am Schnittpunkt zweier Unbekannten, Zeit und Raum — im Exil. Wo würde man es finden? Wie lange würde es dauern? Von den über 135.000 Menschen sind nur knappe 8% nach 1945 zurückgekehrt. Die Rückkehrbewegungen kommentieren die österreichische Nachkriegsgeschichte.

Exil–Kultur und Wissenstransfer stehen dieses Semester ebenso im Zentrum wie die Gründe und Hindernisse für eine Rückkehr nach Österreich. Beide Themenkomplexe zeigen das Exil als lebendigen Teil unserer Gegenwart. Vorträge von ExpertInnen und Zeugnisse Exilierter bringen das anschaulich zum Ausdruck.

Erste Ergebnisse der Akademie–Abende werden in der Zeitschrift Zwischenwelt und in einem späteren Schritt in einem österreichischen Handbuch der Exilforschung veröffentlicht und sollen zu weiteren Forschungen anregen.

Wiener Akademie des Exils – Wissen, Erleben, Mitreden... Wissenschaftliche Vorträge für alle mit anschließender Möglichkeit zur Diskussion.
Der Eintritt ist frei.



Frühjahrsprogramm 2005

Sonntag, 17. April 2005, 11.00 Uhr
Exilland Schweiz. Matinée
Moderation: Konstantin Kaiser, Wien

Jacques Picard, Basel
Die Schweizer jüdischen Organisationen und die Flüchtlinge

Stefan Keller, Zürich
Die Kriminalisierung von Fluchthelfern in der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs

NR Paul Rechsteiner, St. Gallen / Ruth Roduner, Heerbrugg
Präsentation der Paul Grüninger Stiftung und des Grüninger–Preises

In Anwesenheit des Botschafters der Schweiz in Wien, Dr. Johann Bucher
Buffet der Schweizer Botschaft

Sich gegen Flüchtlinge, namentlich jüdische, abzuschotten, bemühte sich die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs. Auf Schweizer und schwedische Initiative wurde der J–Stempel eingeführt, um Juden aus dem Deutschen Reich schon an der Grenze erkennen zu können. Die dennoch in die Schweiz Gelangten sollten tunlichst weiter reisen, durften nicht arbeiten und wurden interniert. Im Gegensatz zur offiziellen Politik setzten viele SchweizerInnen mutige Taten der Menschlichkeit Š unter ihnen der legendäre Polizeihauptmann Paul Grüninger.

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum
Seitenstettengasse 4, A–1010 Wien
Eintritt frei (Bitte Lichtbildausweis, z.B. Reisepass o. Führerschein, mitnehmen!)



Mittwoch, 11. Mai 2005, 19.30 Uhr
Rückkehr aus dem Exil

Moderation: Siglinde Bolbecher, Wien

Brigitte Bailer, Wien
Rückkehr aus dem Exil: Gradmesser der Emanzipation der österreichischen Gesellschaft von der Volksgemeinschaft?
Kurt Menasse, Wien
Bericht aus persönlicher Sicht
Diskussion

Österreich ist ein Land, das nach wie vor mit seinem Exil nicht umgehen kann. Warum wurden und werden die Exilierten auf allen Gebieten ausgeklammert? War man auch nach 1945 froh, daß sie weg waren? War ihre Vertreibung das, was der Österreicher zu dem zählte und zählt, was Hitler "auch Gutes" getan hat? Ihrerseits haben die Exilierten für Österreich viel geleistet, sind für seine Wiederherstellung als Staat eingetreten, haben überall in der Welt für die österreichische Kultur geworben, haben Care–Pakete geschickt, die Diplomatie Österreichs unterstützt. Wie hat sich diese Geschichte, Österreich und "sein" Exil, entwickelt? Welche Phasen durchlief sie? Wo stehen wir heute? Wie sehen uns die Exilierten?

Veranstaltungsort: Arnold Schönberg Center, Palais Fanto, Schwarzenbergplatz 6 (Eingang Zaunergasse 1), A–1030 Wien
Eintritt frei

Eine Veranstaltung der Wiener Akademie des Exils im Rahmen der Aktionstage Politische Bildung. Siehe auch Aktionstage Politische Bildung 2005 – Kalender.



Mittwoch, 22. Juni 2005, 19.30 Uhr
Zeitungen und Zeitschriften des Exils
Moderation: Murray G. Hall, Wien

Herbert Exenberger, Wien
Die Zeitungen und Zeitschriften des Exils. Eine Geschichte gewaltiger Anstrengungen und intellektueller Brillanz
Gabriele Falböck, Wien
Austro–American Tribune. Plattform der österreichischen Intelligenz
Tanja Gausterer, Wien
Journalist im Exil: Josef Kalmer
Diskussion

Wie ist es den Exilierten gelungen, Zeitschriften zu drucken und zu vertreiben, wo immer eine größere Exilgruppe in einem Land war? Welche Ziele verfolgten sie damit? Worauf konnten sie sich stützen, welche Ressourcen standen zur Verfügung? Hatten diese Exilzeitungen überhaupt Niveau? Wer schrieb für sie und unter welchen Bedingungen? Studiert man jene Zeit, in der in Österreich die Wiener Ausgabe des "Völkischen Beobachters" Pflichtlektüre der Beamten war, muss man sich an die Exilzeitschriften halten: Sie spiegeln wieder, was wirklich geschah. Zwei Fallbeispiele: Die inhaltlich wohl beste österreichische Exilzeitschrift, die 1943–1948 in New York erschien, und einer der produktivsten Journalisten des österreichischen Exils, der zugleich Lyriker, Übersetzer und Betreiber einer literarischen Agentur war.

Veranstaltungsort: Arnold Schönberg Center, Palais Fanto, Schwarzenbergplatz 6 (Eingang Zaunergasse 1), A–1030 Wien
Eintritt frei



Kurzbiografien

Brigitte Bailer(–Galanda), Dr. phil. Mag. rer. soc. oec., Historikerin u. Soziologin, 2003 Habil. als Doz. für Zeitgeschichte a. d. Univ. Wien. 1998–2003 Mitglied u. stellvertr. Vorsitzende der Historikerkommission der Republik Österreich, seit Dezember 2004 wiss. Leiterin des DÖW. Schwerpunkte: Widerstand und Verfolgung 1934–1945, Umgang der Republik Österreich mit der NS–Vergangenheit, Maßnahmen für die NS–Opfer, Rechtsextremismus in Österreich nach 1945, insbes. Holocaust–Leugnung.

Siglinde Bolbecher, Mag. phil., Exilforscherin, Historikerin und Literaturwissenschaftlerin. Ausstellungen und Publ. zur Exilkultur u. zur Biobibliographie österr. SchriftstellerInnen im Exil und im Widerstand. Mitbegr. der Theodor Kramer Gesellschaft, Mithg. der Zeitschrift Zwischenwelt und des Lexikons österr. Exilliteratur. Wiss. Mitarb. d. DÖW, Leiterin der öge–FrauenAG.

Herbert Exenberger, Prof., geb. 1943 in Wien, nach B–Matura Zweigstellenleiter der Wiener Städt. Büchereien. 1970—2003 DÖW Bibliothekar. Mitarb. d. Bezirksmuseums Simmering u. d. Simmeringer Museumsblätter. Ausstellungsgestalter. Zahlr. Auszeichnungen. Rege Vortragstätigkeit in Volks– und Erwachsenenbildung.

Gaby Falböck, Mag. phil., Kommunikations– u. Politikwissenschaftlerin, Doktoratsstud. und Forschungsstipendiatin der Univ. Wien. Lehrbeauftragte am Institut für Publizistik– u. Kommunikationswissenschaft der Univ. Wien. Mitglied im Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung. Verantwortlich für den Rezensionsteil der kommunikationswiss. Fachzeitschrift "Medien & Zeit".

Tanja Gausterer, Mag. phil., studierte Vergleichende Literaturwiss. u. Germanistik an der Univ. Wien, 2004 Diplomarbeit zu Joseph Kalmer, arbeitet derzeit im Rahmen ihres Dissertationsprojekts an einer monographischen Darstellung zu Kalmer. Zusammen mit Volker Kaukoreit: Der Journalist Joseph Kalmer — eine Spurensicherung (in: Zwischenwelt, 1/2005).

Murray G. Hall, geb. 1947 in Winnipeg, Kanada, Dr. phil., ao.Univ.Prof. am Inst. f. Germanistik d. Univ. Wien, ORF–Red., Verf. zahlr. Beitr. zur österr. Lit. d. Zwischenkriegszeit u. zur Verlags– und Buchhandelsgeschichte. Publ. u.a. Handbuch d. Nachlässe u. Sammlungen österr. Autoren (1992, 1995), Der Paul Zsolnay Verlag. Von der Gründung bis zur Rückkehr aus dem Exil (1994), Carl Junker. Zum Buchwesen in Österreich. Gesammelte Schriften (2001). Arbeitet dzt. an einer Geschichte der ÖNB in der NS–Zeit.

Konstantin Kaiser, Dr. phil., Exilforscher, Literaturwiss. u. Schriftsteller. Ausstellungsgestalter. Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge). Mitbegr. der Theodor Kramer Gesellschaft. Lehrauftr. an den Univ. Klagenfurt, Innsbruck und Graz. Mitgl. d. GAV. Mithg. der Zwischenwelt u. der Buchreihe Antifaschistische Literatur und Exilliteratur — Studien und Texte. Autor, Hg., Mithg. und Bearb. zahlr. Bücher.

Stefan Keller, Dr. phil., geb. 1958 in Thurgau (Schweiz), Historiker und Journalist bei der WochenZeitung (WoZ) in Zürich, Verfasser großer historischer Reportagen: Maria Theresia Wilhelm, spurlos verschwunden (1991); Grüningers Fall (1993); Die Zeit der Fabriken (2001); Die Rückkehr. Josef Springs Geschichte (Zürich 2003).

Kurt Menasse, geb. 1923 in Wien, kam mit seinem Bruder in einem Kindertransport der Quäker nach England. 1940 Internierung als "feindlicher Ausländer". Meldete sich 1943 zur brit. Armee, als Kenneth Marshall kämpfte er in Burma gegen die Japaner. 1947 Rückkehr nach Wien als brit. Sergeant. Zunächst in einer Tochterfirma der Länderbank tätig, wurde er später Unternehmer im v.a. in den Oststaaten tätigen Import/Exportgeschäft.

Jacques Picard, Prof. Dr., Historiker, ist Professor für Jüdische Studien in Basel, führend in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Verwicklungen der Schweiz in den Zweiten Weltkrieg.

Paul Rechsteiner, Nationalrat, ist Präsident des Schweizer Gewerkschaftsbundes und Anwalt in St. Gallen. Er hat mit Stefan Keller die Rehabilitation Grüningers durchgesetzt.

Ruth Roduner–Grüninger ist die Tochter von Paul Grüninger, der als Polizeihauptmann 1938 Hunderten, wenn nicht Tausenden österreichischen Juden die Flucht in die Schweiz ermöglichte und dafür entlassen und bestraft und erst 1995 rehabilitiert wurde; Stifterin und Präsidentin des Stiftungsrates der Paul Grüninger Stiftung. Sie lebt in Heerbrugg.

Sandra Wiesinger–Stock, Dr. phil., Exilforscherin, Historikerin u. Publizistin. Geschäftsführung der Österr. Gesellschaft für Exilforschung (öge). Zahlr. Publ. u.a. zu Exil– und Frauenforschung, Bildungsforschung und Wissenschaftskommunikation. Hg. (mit Erika Weinzierl u. Konstantin Kaiser) der dreibändigen Publ. "Vom Weggehen. Exil aus heutiger Sicht" (erscheint 2005).

Das Frühjahrsprogramm wird mit Unterstützung von Universität Wien, DÖW, Orpheus Trust, Theodor Kramer Gesellschaft, Verein zur Förderung und Erforschung der antifaschistischen Literatur, IKG, Paul Grüninger Stiftung und der Botschaft der Schweiz in Wien verwirklicht.

Gefördert von der Stadt Wien – Kultur/Wissenschafts– und Forschungsförderung und vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur



Frauen im Exil
Die weibliche Perspektive

Eine Seminarreihe der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) und der AG biografiA am Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK)

Koordination: Siglinde Bolbecher – öge–FrauenAG / Ilse Korotin – AG biografiA

Die interdisziplinär zusammengesetzte FrauenAG der öge, die sich die Erforschung der Geschichte des Exils aus Österreich im 20. Jahrhundert und ihre Koordination und Kommunikation in Wissenschaften und Öffentlichkeit zur Aufgabe gemacht hat, befasst sich aus einem feministischen theoretischen Hintergrund heraus speziell mit der frauenspezifischen Situation verfolgter Exilantinnen des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus.

Die Projektinitiative "biografiA – Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen" hat die umfassende historisch–biografische Erfassung österreichischer Frauenpersönlichkeiten zum Ziel. Von Beginn an war es ein Anliegen, der Dokumentation von Verfolgung, Widerstand und Exil einen besonderen Stellenwert beizumessen.

Eine kurze demokratischen Periode, in der Frauen das Wahlrecht und den Zugang zu höherer Bildung erreicht hatten, fand 1934 gewaltsam ihr Ende. Durch die Zäsur 1938 wurden in großem Ausmaß Frauen aus politischen und rassistischen Gründen ausgegrenzt, verfolgt oder ermordet. Der Verlust dieses Potentials und der Bruch in der gesellschaftlichen Entfaltung von Frauen reicht bis in die Gegenwart Österreichs. Im Exil fanden sich Möglichkeiten, konnte unter erkämpften, aber doch freieren Bedingungen gearbeitet und gelebt werden.

Wir fragen nach: Welche beruflichen und intellektuellen Neuorientierungen mussten oder konnten Frauen im Exil bewältigen? Wie reagierten sie auf die extrem frauenfeindliche NS–Herrschaft? Auf welche Weise wurde die Gebrochenheit des eigenen Lebens durch die Erfahrung der Verfolgung und des Verlustes von Familienangehörigen und Freunden verarbeitet? Welche Gründe waren für eine Rückkehr Ausschlag gebend und welche "Fremdheitserfahrungen" waren damit verbunden?

Unter dem Motto "Die weibliche Perspektive" laden wir aus Anlass neu erscheinender Bücher Autorinnen und Zeitzeuginnen ein, um Lebensspuren zu sichern und neueste Ergebnisse der Exilfrauenforschung zu präsentieren und zu diskutieren.

Mit Unterstützung von ARIADNE – frauenspezifische Information und Dokumentation an der Österreichischen Nationalbibliothek



Frühjahrsprogramm 2005

Die Vorträge finden jeweils Dienstag, 18.30 Uhr im Saal des Instituts für Wissenschaft und Kunst (IWK), 1090 Wien, Berggasse 17/1 statt



Dienstag, 8. März 2005, 18.30 Uhr
Vera Friedländer, Berlin
Die Kinder von La Hille. Buchpräsentation
Moderation: Ursula Stern, Wien

100mal Zivilcourage, die Geschichte einer Kinderkolonie 1939–1944

Einhundert jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich flohen mit ihren jungen Betreuern in Güterwaggons aus dem besetzten Belgien nach Südfrankreich. Am Fuß der Pyrenäen fanden sie Zuflucht im verlassenen Schloss La Hille. Dank der Unterstützung von französischen Bauern, Schweizer LehrerInnen und Rot–Kreuz–Mitarbeiterinnen konnten die meisten Kinder überleben. Vera Friedländer schildert die bewegende Geschichte dieser Kinderrepublik – eine Geschichte von schmerzlichen Trennungen, Angst vor dem Entdecktwerden, fröhlichen Spielen, trotzigem Widerstand und Lebensmut.

Eintritt frei



Dienstag, 26. April 2004, 18.30 Uhr
Günter Gößler, Wien
Das jüdische Chajes–Gymnasium. Ein Buchprojekt

Kommentar: Hannah Fischer, Wien
Moderation: Evelyn Adunka, Wien

Das posthum nach Oberrabbiner Zwi Perez Chajes benannte und von Viktor Kellner geleitete jüdische Realgymnasium, aus dem zwischen 1919 und 1938 viele hervorragende SchülerInnen hervorgingen (u.a. auch der heute in den USA lebende Chemie–Nobelpreisträger Walter Kohn), war eine Gründung des zionistischen Nationalrats. Es wurde 1984 wiedererrichtet. Günter Gößler arbeitet an einer Studie, für die er ehemalige Schülerinnen und Schüler dieser Bildungsstätte aus aller Welt interviewt. Hannah Fischer, die das Gymnasium vor ihrer Emigration nach Großbritannien besuchte, spricht über ihre Erfahrungen als Schülerin des einzigen jüdischen Gymnasiums von Wien.

Eintritt frei



Dienstag, 24. Mai 2005, 18.30 Uhr
Siglinde Bolbecher, Wien / Renate Göllner, Wien
Buchpräsentation "Frauen im Exil. Zwischenwelt – 8. Jahrbuch der Theodor–Kramer–Gesellschaft" (hg. v. Siglinde Bolbecher in Zusammenarbeit mit Beate Schmeichel–Falkenberg)
Moderation: Sandra Wiesinger–Stock, Wien

Flucht, Vertreibung und Exil wurden zu prototypischen Erfahrungen der Menschen im 20. Jahrhundert. Das vorliegende Buch widmet sich einer marginalisierten Seite der (männlichen) Geschichtsschreibung: der Kreativität von Frauen auf der Flucht vor dem Faschismus und ihrem Selbstbehauptungswillen unter den Bedingungen des Exils. Behandelt werden Lebens–, Bildungs– und Karrierebrüche exilierter Frauen in den USA, Frankreich, Spanien und der Sowjetunion, deren soziale und politische Netzwerke und Verbindungen zur Widerstandsbewegung.

Eintritt frei



Dienstag, 14.Juni 2005, 18.30 Uhr
Ilse Korotin, Wien: Wissenschafterinnen und Remigration – die "Austrian University League of America"
Moderation: Susanne Blumesberger, Wien

Die "Austrian University League of America" — eine Vereinigung emigrierter Gelehrter mit vorwiegend konservativ–katholischer Orientierung — legte 1946 dem zuständigen Ministerium ein "Memorandum" zur Neugestaltung des österreichischen Universitätsbetriebes vor, welches in geschlechterdifferenzierender Hinsicht interessant ist. Das von offizieller Seite in seiner gesellschaftspolitischen Tragweite nie ernsthaft in Erwägung gezogene Dokument nennt erstmals neben UniversitätsprofessorInnen auch sogenannte "hochschulungebundene Wissenschaftler" und zur Zeit ihrer Vertreibung aus Österreich beruflich noch wenig etablierte Personen. Dieses Faktum trifft besonders auf Frauen zu, und tatsächlich enthalten die von der "Austrian University League of America" erstellten Listen die Namen von 36 Wissenschafterinnen (Gesamtzahl 370). Im Vortrag werden die Lebensläufe einiger Frauen erhellt und die bislang von der Forschung vorausgesetzte "Rückkehrwilligkeit" (Fleck 1996) der genannten WissenschafterInnen diskutiert.

Eintritt frei



Kurzbiografien

Evelyn Adunka, Dr. phil., Historikerin u. Publizistin, Schwerpunkt Jüdische Zeit– u. Geistesgeschichte. Red. der Zeitschrift Zwischenwelt. Zahlreiche Publ., v.a. zur Geschichte des österr. Judentums, zum jüdischen Exil und zu Raub und Restitution jüdischer Bibliotheken. Hg. (gem. mit Peter Roessler) von Die Rezeption des Exils. Geschichte und Perspektiven der österr. Exilforschung (2003).

Susanne Blumesberger, Mag. Dr. phil., Kommunikationswissenschaftlerin, Projektbearbeiterin der biografiA–Module Jüdische Frauen in Österreich und ihr Beitrag zu Wissenschaft, Kunst und Kultur sowie "Die jüdischen Schriftstellerinnen Österreichs. Ihr Leben, ihr Schicksal und ihr Schaffen" am IWK.

Siglinde Bolbecher, Mag. phil., Historikerin, Literaturwissenschaftlerin u. Exilforscherin. Wiss. Mitarb. d. Dokumentationsarchivs des österr. Widerstandes. Ausstellungen u. Publ. zur Exilkultur u. zur Biobibliographie österr. SchriftstellerInnen im Exil und im Widerstand. Mitbegr. der Theodor Kramer Gesellschaft. Mithg. der Zeitschrift Zwischenwelt und des Lexikons österr. Exilliteratur.

Hannah Fischer, Dr. phil, 1925 in einer mittelständischen, jüdischen Familie geboren. Schülerin des Chajes–Gymnasiums. 1938 Exil in England. Trainee bei Anna Freud, später Tätigkeit im Kindergarten des Austrian Center. Rückkehr nach Wien 1946. Psychoanalytisch orientierte Pädagogin. Initiatorin des Anna Freud Kindergartens, Wien. Zuletzt Direktorin der Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen.

Vera Friedländer, Dr. phil., Germanistin, 1981—86 Prof. für dt. Sprache an der Humboldt Univ. Berlin. 1990 gründete sie eine Sprachschule für jüdische SchülerInnen aus Osteuropa. Unter ihrem Pseudonym veröffentlichte die geb. Veronika Schmidt ihre Autobiographie "Man kann nicht eine halbe Jüdin sein". Ihr Buch über die deutschen und österreichischen Kinder von La Hille ist im Aufbau Taschenbuch Verlag erschienen.

Renate Göllner, Dr. phil., Erziehungswissenschaftlerin. Publ. über Eugenie Schwarzwald (1999), zur Geschichte der Emanzipation jüdischer Frauen und der Psychoanalyse sowie über Exil– und Gegenwarts–Literatur. Aktuelles Buchprojekt: Geschichte der Vertreibung jüdischer Schülerinnen und Schüler aus Wiens Mittelschulen.

Günter Gößler, Mag. iur., Studium der Geschichte und Rechtswissenschaften in Graz. Derzeit Arbeit an einer Diplomarbeit über das Chajes–Gymnasium bei Prof. Helmut Konrad, Universität Graz.

Ilse Korotin, Dr. phil., Philosophin, Leiterin der IWK–Dokumentationsstelle Frauenforschung und des Projekts biografiA. Datenbank und Lexikon österr. Frauen. Forschungsschwerpunkte: Frauenbiografieforschung, Philosophie und Nationalsozialismus, Wissenschaftsgeschichte. Publ. u. a. (Hg. mit Brigitta Keintzel): Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben. Werk. Wirken (2002).

Ursula Stern, Studium der Geschichte und Romanistik, war ehrenamtliche Mitarbeiterin am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Arbeitsgebiete: Judentum, Exil und verfolgte Kinder.

Sandra Wiesinger–Stock, Dr. phil., Exilforscherin, Historikerin u. Publizistin in Wien. Publ. u.a. zu Exil–, Frauen–, Bildungs– u. Wissenschaftsforschung. Geschäftsführung der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge). Red. der Zeitschrift Zwischenwelt. Gem. mit Erika Weinzierl Hg. der erweiterten Neuaufl. von Emanzipation? Frauen in Österreich (erscheint 2005).


Mit Unterstützung von ARIADNE — frauenspezifische Information und Dokumentation an der ÖNB

Gefördert von der Stadt Wien — MA 7 Kultur / Wissenschafts– und Forschungsförderung und vom bm:bwk



Paul Grüninger Tagung

15. — 18. April 2005
Exil in der Schweiz. Tagung der Paul Grüninger Stiftung

Der Polizeihauptmann Paul Grüninger (1891—1972) ermöglichte Hunderten, wenn nicht Tausenden österreichischen Juden 1938 die Flucht in die Schweiz. Er wurde dafür entlassen, bestraft und erst nach seinem Tod 1995 rehabilitiert. Die israelitischen Kultusgemeinden Österreichs haben ihn mit ihrer höchsten Auszeichnung bedacht. Seine Erben brachten die gesamt Entschädigungssumme in eine Stiftung für den Paul Grüninger Preis ein, der Personen und Organisationen verliehen werden kann, die sich durch besondere Menschlichkeit, besonderen Mut und besondere Unvoreingenommenheit auszeichnen. Dem Stiftungsrat gehören u.a. von Grüninger Gerettete, die Tochter, Enkel und Urenkel Grüningers, engagierte WissenschaftlerInnen an.
Aus Anlass der Tagung des Stiftungsrates in Wien laden die Theodor Kramer Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der IKG, der Österreichischen Exilbibliothek im Literaturhaus und der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) zu mehreren Veranstaltungen ein.



Samstag, 16. April 2005, 11.00 Uhr
Empfang mit von den SchülerInnen erstelltem Programm.
Eine Initiative der von Grüninger Geretteten Sophie Haber.

Veranstaltungsort: Paul–Grüninger–Schule
Hanreitergasse 2, A–1210 Wien



Sonntag, 17. April 2005, 11.00 Uhr
Exilland Schweiz. Matinée

Jacques Picard, Basel
Die Schweizer jüdischen Organisationen und die Flüchtlinge

Stefan Keller, Zürich
Die Kriminalisierung von Fluchthelfern in der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs

NR Paul Rechsteiner, St. Gallen / Ruth Roduner, Heerbrugg
Präsentation der Paul Grüninger Stiftung und des Grüninger–Preises

Konstantin Kaiser, Wien
Moderation

In Anwesenheit des Botschafters der Schweiz in Wien, Dr. Johann Bucher
Buffet der Schweizer Botschaft

Ruth Roduner ist die Tochter Paul Grüningers und Präsidentin des Stiftungsrates; Rechtsanwalt Paul Rechsteiner ist Nationalrat und Präsident des Schweizer Gewerkschaftsbundes; er hat mit Stefan Keller die Rehablitation Grüningers durchgesetzt. Jacques Picard ist Professor für jüdische Studien in Basel und war führend in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Verwicklungen der Schweiz in den Zweiten Welktkrieg.

Veranstaltungsort: Jüdisches Gemeindezentrum
Seitenstettengasse 4, A–1010 Wien
Eintritt frei (Bitte Lichtbildausweis, z.B. Reisepass o. Führerschein, mitnehmen!)



Montag, 18. April 2005, 19.30 Uhr

Stefan Keller, Zürich
Die Rückkehr. Joseph Springs Geschichte (Zürich Rotpunkt 2003). Lesung
Erich Hackl, Wien präsentiert den Schriftsteller Stefan Keller und sein Buch

Durch halb Europa geflohen, wird der aufgrund seiner jüdischen Herkunft von den Nazis verfolgte 16jährige Josef Spring 1943 von der Schweiz an die Gestapo ausgeliefert. Über das Sammellager Drancy bei Paris kommt er nach Auschwitz. Er überlebt und fordert mit Unterstützung von Paul Rechsteiner und Stefan Keller Gerechtigkeit. Seine gegen die Eidgenossenschaft angestrengte Klage auf Schadenersatz wird zwar abgewiesen, führt aber zu einer breiten öffentlichen Diskussion in der Schweiz. "Die Rückkehr" ist ein Meisterwerk moderner Reportageliteratur.

Stefan Keller, Dr. phil., Historiker, Schriftsteller und Journalist; Vizepräsident der Paul Grüninger Stiftung, Zürich

Erich Hackl, Mag. phil., Schriftsteller, Wien. Vielfach ausgezeichneter Erzähler, Drehbuchautor u. Übersetzer v.a. iberischer u. iberoamerikan. Literatur. Hg. der internationalen Lyrikreihe "Aurora Bücherei" im Otto Müller Verlag Salzburg.

Veranstaltungsort: Österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus
Seidengasse 13, A–1070 Wien
Eintritt frei



"A weanerisch–jiddische Melange"

Donnerstag, 21. April 2005, 20.00 Uhr
Duo Scholem Alejchem (Mirjam Silber, Gesang / Isaak Loberan, Akkordeon)

Mirjam Silber singt Lieder von Hermann Leopoldi, Hugo Wiener, Fredi Durra, Boris Brainin, Georg Kreisler und anderen vertriebenen und exilierten Komponisten und Liedermachern, Isaak Loberan begeistert virtuos auf dem Akkordeon. Er hat sich sowohl als Musiker als auch als Bewahrer von musikalischen jüdischen Raritäten einen Namen gemacht. Mit der frischen und humorvollen Interpretation durch das Duo Scholem Alejchem wird ein Stück vertriebenes Wien wieder lebendig.

Mirjam Silber, Mag. art., geb. 1961 in Wien. Stud. in Gesang, Stimmbildung u. Musikpädagogik an der Univ. für Musik u. Darst. Kunst in Wien. Konzertsängerin, dipl. Stimmbildnerin u. Körpertherapeutin, Klezmerseminare; Mitarb. an einem psychotherapeut.–kulturellen Projekt zw. Österreich u. Chile (Biografie–Arbeit u. Musiktherapie mit jüdischen Vertriebenen), wissenschaftl. Mitarb. im Verein "Varwe Musica" zur Erhaltung jüdischen Kulturgutes und beim musikethnolog. Forschungsprojekt "Jüdische Musik in der Ukraine und in Moldawien" (Leitung: Isaak Loberan). Gestaltung u. Moderation der Sendung "Lider un Schirim – Wiens erste jüdische Musiksendung" auf Radio Orange (mit Gerald Lesel u. Mag. Thomas Soxberger). Zahlr. Auftritte mit Wienerliedern, Kabarett–Chansons (Georg Kreisler, Hugo Wiener, Gerhard Bronner, etc.) u. Couplets aus Wiener Volkskomödien, Sängerin des Ensembles "Scholem Alejchem" (seit 2001).

Isaak Loberan, geb. 1947 in Chisinäu, Moldawien. Kontrabass–Studium an der Musikhochschule u. Mitarbeit am Jüdischen Musikalischen Theater, 1969–1991 Orchestersolist am Staatlichen Akadem. Theater für Oper u. Ballet in Chisinäu. Seit 1991 freier Musiker in Wien. 1993 Gründung der Konzertreihe "Varwe Musica" (synästhetische Bezüge zwischen Musik u.a. Künsten) und des Ensembles "Scholem Alejchem" in Wien. Mitwirkung mit Rabbi Shlomo Carlebach im Film "Meister des guten Namens"/ORF, ZDF. Seit 1998 Leiter von Klezmerseminaren in Wien. 1998 CD "Von Spanien bis Czernowitz". Seit 1999 Forschungsprojekt "Jüdische Musik in der Ukraine und in Moldawien". Hg. des Buchs "A yiddische Dojne" (2000), Konzept des Films "Wiener Kantor Abraham Adler". Eigene Kompositionen u. Arrangements.

Veranstaltungsort: Mollardbar
Mollardgasse 3 (Ecke Spörlinggasse), A–1060 Wien

Eine Kooperation von Österr. Gesellschaft für Exilforschung (öge) und Mollardbar
Eintritt frei. Um Musikspenden wird gebeten


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