[Home]

Veranstaltungen im Wintersemester 2015/16


22. September 2015, 19:00 Uhr

Erica Tietze-Conrat: Tagebücher
Herausgegeben von Alexandra Caruso

(Buchpräsentation und Gespräch mit der Herausgeberin)

Ort: Republikanischer Club - Neues Österreich
Rockhgasse 1 | 1010 Wien




29. September bis 1. Oktober 2015

Song of Life | Zeitzeugin Greta Klingsberg in Wien


Greta Klingsberg, 1929 in Wien geboren, überschritt 1938 mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Trude zu Fuß illegal die Grenze zur Tschechoslowakei, wohin ihr Vater bereits zuvor geflohen war. Als die Eltern mit einem illegalen Schiffstransport nach Palästina weiter flüchteten, wurden die Kinder in einem jüdischen Waisenhaus in Brünn zurückgelassen, in der Hoffnung, sie mit einem "offiziellen" Immigrationszertifikat nachkommen lassen zu können. 1942 wurde Greta mit allen Kindern des Waisenhauses nach Theresienstadt verschleppt, wo sie über fünfzig Mal die weibliche Hauptrolle in der Kinderoper Brundibár von Hans Krása spielte. Am 23. Oktober 1944 wurde sie nach Auschwitz deportiert, ihre Schwester ermordet. Nach Einsatz als Zwangsarbeiterin kam sie erneut nach Theresienstadt. 1946 zog sie nach Palästina und traf ihre Eltern wieder. Sie begann ein Musikstudium, arbeitete beim israelischen Rundfunk und wirkte als Sängerin in Chören. Heute lebt sie in Jerusalem und ist eine weltweit gefragte Zeitzeugin, vor allem im Bereich der Holocaust education für Kinder und Jugendliche.

Greta Klingsberg wirkte in den letzten Jahren an zwei Dokumentarfilmen mit: Mut zum Leben. Die Botschaft der Überlebenden von Auschwitz begleitet vier Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz und stellt dabei ihren ungebrochenen Lebenswillen in den Vordergrund. In Wiedersehen mit Brundibár trifft Greta Klingsberg auf die Jugendtheatergruppe "Die Zwiefachen" der Berliner Schaubühne, die an einer Aufführung von Brundibár arbeitet. Der Film zeichnet die engen Beziehungen nach, die zwischen der Überlebenden und den jungen SchauspielerInnen, zumeist mit Migrationserfahrung, entstehen. Die Österreichische Gesellschaft für Exilforschung (öge) will nun Greta Klingsbergs unermüdliches Engagement für die Aufklärung über die Shoa, ihren Einsatz für Verständigung und gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form des Vorurteils, mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft würdigen. Im Rahmenprogramm werden die beiden Dokumentarfilme Mut zum Leben und Wiedersehen mit Brundibár gezeigt.


Programm

Dienstag, 29. September, 19:30 Uhr
Filmvorführung: Wiedersehen mit Brundibár (D 2014)
In Anwesenheit Greta Klingsbergs und des Regisseurs Douglas Wolfsperger
Ort: Metro Kino, Johannesgasse 4, 1010 Wien

Mittwoch, 30. September, 19:30 Uhr
Filmvorführung: Mut zum Leben (D 2013)
In Anwesenheit Greta Klingsbergs und der FilmemacherInnen Christa Spannbauer und Thomas Gonschior
Ort: Metro Kino, Johannesgasse 4, 1010 Wien

Donnerstag, 1. Oktober, 19:30 Uhr
Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) an Greta Klingsberg
Ort: Israelitische Kultusgemeinde Wien, Seitenstettengasse 2, 1010 Wien


Filmvorführungen mit Diskussion für Schulklassen und junge Menschen, jeweils 10:00 Uhr und 14:00 Uhr:
Wiedersehen mit Brundibár, 29. September 2015
Mut zum Leben, 30. September 2015
Ort: Metro Kino, Johannesgasse 4, 1010 Wien


Eintritt frei!

Beschränkte Platzanzahl - Bitte melden Sie sich für alle Veranstaltungen unter s.usaty@exilforschung.ac.at an!


Idee & Konzept: Primavera Driessen Gruber
öge in Kooperation mit: orpheus.news, Filmarchiv Austria, erinnern.at, Israelitische Kultusgemeinde Wien und Wiener Jugend-Friedenspreis
Wir danken unseren Kooperationspartnern und Fördergebern für die Unterstützung der Veranstaltungen


Einladung

Infoblatt Mut zum Leben

Begleitmaterial Wiedersehen mit Brundibár


Foto







In memorian Hansi Tausig - geboren 11. Februar 1920, verstorben 9. April 2015


"Sie suchen jüdische Frauen, die von den Nazis aus ihrer Heimat vertrieben wurden und als Dienstmädchen nach England geflohen sind?" fragte vor etwa zehn Jahren eine recht jugendlich klingende Stimme am Telefon. "Ich bin eine solche!"
Wenig später habe ich Hansi Tausig persönlich getroffen: eine kleine, zarte, temperamentvolle Frau, der man ihre mehr als achtzig Jahre nicht ansah. Sie lud mich zu Tee nach englischer Art ein - zuerst die Milch in die Tasse - und erzählte aus ihrem Leben: Von der Vertreibung, die sie aus einem wienerischen Familienleben riss, vom mangelnden Verständnis ihrer englischen Dienstgeber für die Situation ihrer jungen Haushaltshilfe, von der Einsamkeit als "domestic servant" und den nicht erfolgreichen Versuchen, ihre Mutter nachzuholen. Sie sprach auch davon, wie sie schlie lich im "Austrian Centre" und vor allem in der Jugendorganisation "Young Austria" so etwas wie eine Heimat in der Fremde fand. Sie tat es sachlich, ohne Bitterkeit, aber auch ohne nostalgische Verklärung. Auch davon, wie die junge Hansi Pick in der Jugendtheatergruppe den aus der Internierung zurückgekehrten Otto Tausig kennen- und lieben lernte, hat sie berichtet. 1944 haben die beiden schließlich geheiratet, 1946 sind sie voller Ideale nach Österreich zurückgekehrt - und wurden von der Realität in diesem zerstörten Land bitter enttäuscht. Die Lebensumstände, die sie hier vorfanden und meistern mussten, waren nicht einfach. Auch die Ehe hat schließlich nicht gehalten. Es war kein leichtes Leben.
Was aber gehalten hat, war die Freundschaft von Hansi Tausig zu ihren Schicksalsgenossinnen. Bis ins hohe Alter trafen sich die ehemaligen Mitglieder von "Young Austria" regelmäßig, und ebenso regelmäßig gaben sie ihre Erinnerungen als Zeitzeuginnen an eine neue Generation weiter, erfüllt von einer gewissen Dankbarkeit für die Menschen in England, die sie aufgenommen hatten. Das "Wehret den Anfängen!" und die Überzeugung, dass Verbrechen wie die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten nie wieder geschehen dürfen, waren dabei stets präsent.
Sie war eine kleine Frau mit einem großen Herzen, die Hansi Tausig, und wer sie kennenlernen durfte, konnte nicht anders als sie und ihre offene Art zu lieben. Jetzt hat dieses große Herz zu schlagen aufgehört. Wir werden es vermissen.


Traude Bollauf im Namen der Frauenarbeitsgemeinschaft der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung.


Foto





Wintersemester 2015/16


Liebe Exil-Interessierte, KollegInnen und Mitglieder der öge!

Ihre Veranstaltungen zu den Themen Exil, Verfolgung und Erinnerungskultur bitten wir Sie herzlich, weiter mit selbstgewähltem Passwort in unseren Veranstaltungskalender (links unten) einzutragen. Der Eintrag und die Aktualisierung der Ankündigungen sind für Mitglieder und GastbenutzerInnen kostenlos!

Bitten lassen Sie uns Ihre aktuelle E-Mailadresse an s.usaty@exilforschung.ac.at zukommen, an die wir Ihnen unsere Programminformationen mit unserem monatlichen Newsletter zuschicken können – vielen Dank!



öge-Publikationen (für Mitglieder mit 20 % Rabatt erhältlich)


Buchreihe Exil-Leben. Dokumente und Materialien, Bd. 1

Buchreihe Exilforschung heute, Bd. 1

Buchreihe Exilforschung heute, Bd. 2

Buchreihe Exilforschung heute, Bd. 3






Adobe Reader


[Top] © 2003 - 2015 Alle Rechte vorbehalten, Österreichische Gesellschaft für Exilforschung · Impressum